leitung zur Zeittafel
Die Geschichte des Balkans zwischen dem Krimkrieg (1853–1856) und dem Attentat von Sarajevo (1914) ist geprägt von Aufständen, Nationalbewegungen und dem ständigen Eingreifen der europäischen Großmächte. Schritt für Schritt zerfiel die Macht des Osmanischen Reiches in Europa, während Russland, Österreich-Ungarn und andere Mächte um Einfluss rangen. Zugleich wuchsen auf dem Balkan neue Nationalstaaten heran, deren Sehnsucht nach Einheit und Größe immer wieder in Konflikte mündete.
Die folgende Zeittafel zeichnet die wichtigsten Stationen dieser Entwicklung nach und bildet den roten Faden, auf den sich die nachfolgenden Texte beziehen werden.
🕰️ Zeittafel: Vom Krimkrieg bis zum Attentat von Sarajevo
1853–1856 – Krimkrieg
- Russland gegen Osmanen, unterstützt von England, Frankreich und Sardinien.
- Niederlage Russlands, Friede von Paris (1856): Russland verliert die Schwarzmeerflotte.
1856 – Vertrag von Paris
- Osmanisches Reich wird in die „europäische Staatengemeinschaft“ aufgenommen.
- Russische Expansion Richtung Schwarzes Meer und Mittelmeer wird gebremst.
1862 – Serbien erhält weitgehende Autonomie
- Nach Aufständen und diplomatischem Druck: Serbien regelt eigene Angelegenheiten, bleibt formal osmanisch.
1867 – Abzug der osmanischen Garnison aus Belgrad
- Osmanische Truppen verlassen Serbien vollständig.
- Serbien ist faktisch unabhängig.
1870 – Gründung des Bulgarischen Exarchats
- Bulgarien erhält eine eigene orthodoxe Kirchenorganisation, unabhängig von Konstantinopel.
- Wichtiger Schritt zur nationalen Selbstständigkeit.
1875–1876 – Aufstände in Bosnien und Bulgarien
- Bauernaufstand in Bosnien-Herzegowina gegen die Osmanen.
- Aprilaufstand in Bulgarien, brutal niedergeschlagen → Empörung in Europa.
1877–1878 – Russisch-Osmanischer Krieg
- Russland greift ein, „zur Befreiung der Slawen“.
- Vertrag von San Stefano (März 1878): Großbulgarien entsteht, Osmanen stark zurückgedrängt.
1878 – Berliner Kongress
- Großmächte korrigieren Russlands Erfolg.
- Bulgarien wird verkleinert.
- Rumänien, Serbien und Montenegro werden unabhängig.
- Bosnien-Herzegowina: Verwaltung durch Österreich-Ungarn.
- Russland enttäuscht, Serbien und Bulgarien unzufrieden.
1903 – Serbische Mairevolution
- König Aleksandar Obrenović wird ermordet.
- Neues Königshaus (Karađorđević), das stark prorussisch ist.
- Serbien radikalisiert sich und verfolgt offen großserbische Ideen.
1908 – Bosnische Annexionskrise
- Österreich-Ungarn annektiert Bosnien-Herzegowina endgültig.
- Serbien und Russland protestieren, sind aber militärisch zu schwach.
1912 – Erster Balkankrieg
- Balkanbund (Serbien, Bulgarien, Griechenland, Montenegro) vertreibt Osmanen fast völlig aus Europa.
1913 – Zweiter Balkankrieg
- Bündnis zerbricht: Serbien und Griechenland gegen Bulgarien.
- Serbien vergrößert sich, bekommt aber keinen Zugang zur Adria (Albanien wird unabhängig).
- Bulgarien tief gedemütigt.
28. Juni 1914 – Attentat von Sarajevo
- Serbischer Nationalist Gavrilo Princip erschießt den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand.
- Aus dem „Balkanpulverfass“ entzündet sich der Erste Weltkrieg.
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